Im Januar wurde es offiziell: das Evangelische Krankenhaus Mettmann hat im Rahmen der Krankenhausplanung NRW den Versorgungsauftrag für die Neurologie erhalten. Seit dem 1. April nimmt der Abteilungsaufbau Formen an.
Chefarzt der Abteilung ist Privat-Dozent Dr. med. Bert Bosche, Facharzt für Neurologie mit den Zusatzqualifikationen „Spezielle Neurologische Intensivmedizin“ und „Rehabilitationswesen“. Ferner verfügt er darüber hinaus über mehrjährige neurochirurgische Erfahrungen. Er hat bereits an den Unikliniken in Köln, Essen und Toronto gearbeitet und leitet nun die neue Abteilung im EVK. Wir haben mit ihm gesprochen!
Herr Dr. Bosche, Sie verantworten nun den Aufbau der Neurologie im EVK Mettmann. Wie geht es voran?
Die Abteilung hat ihre Arbeit aufgenommen, wir haben ein tolles Team formiert und das wird auch noch weiterwachsen. Darüber hinaus sind wichtige Gespräche mit unserem Kooperationspartner für neuroradiologische und neurochirurgische Interventionen dem Städtischen Klinikum Solingen, geführt worden und auch der Rettungsdienst war zu Gesprächen vor Ort. Denn klar ist, dass die Abläufe in der Schlaganfallversorgung reibungslos laufen müssen. Und deshalb gab es gerade zu Beginn wirklich viel zu organisieren.
Wie groß ist denn die neue Abteilung im EVK Mettmann und welche Diagnosen werden behandelt?
Wir werden final über 21 stationäre Betten und sechs Betten in der Stroke-Unit verfügen. Dafür wird die Einheit der Intensivstation vergrößert und ein Neubau errichtet. Versorgt werden dann neben dem Schlaganfall und Hirnblutungen, auch chronisch-entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Multiples Sklerose, Bewegungsstörungen wie die Parkinson‘sche Krankheit, aber auch Erreger bedingte Funktionsstörungen, wie beispielsweise eine Meningitis oder Enzephalitis.
Fokussieren wir uns auf den neurologischen Notfall, den Schlaganfall. Wie häufig tritt dieser Hirninfarkt auf und wie erkenne ich, dass ich schnellstmöglich in eine Notaufnahme muss?
In Deutschland registrieren wir durchschnittlich 770 Schlaganfälle am Tag. Das heißt, 770 Patienten müssen schnellstmöglich ein Krankenhaus mit Stroke-Unit erreichen, dort eine gesicherte Diagnostik durchlaufen und im Fall des Falles behandelt werden, um Langzeitschäden zu vermeiden, zu minimieren oder auch um überhaupt zu überleben.
Wie kann ich denn einen Schlaganfall bemerken?
Häufigste Symptome sind Sprach- oder Wortfindungsstörungen, aber auch Lähmungen der Extremitäten oder ganzer Körperhälften und auch Sehstörungen. Als Neurologe können wir sehr schnell aufgrund der Syndromologie feststellen oder ausschließen, ob ein Schlaganfall vorliegt oder nicht. Der Laie sollte ohne zu zögern die 112 wählen. Bitte nicht erst zum Hausarzt gehen oder sich eigenständig auf den Weg zur Klinik machen. Der Rettungsdienst weiß was zu tun ist! Das gilt übrigens auch dann, wenn die Symptome zunächst wieder abgeklungen sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie binnen der ersten 48 Stunden nochmal auftreten ist bei einem Schlaganfall hoch.
Schlaganfallpatienten kommen also in der Regel mit dem RTW. Wie geht es dann hier im EVK Mettmann weiter?
Bei uns wird dann die sogenannte „Stroke-Schleife“ in Gang gesetzt. Das passiert bereits bevor der Patient bei uns eintrifft, denn unsere Notaufnahme erhält schon während der Anfahrt des RTWs erste Informationen vom Rettungsdienst. Intern informiert die ZNA dann den Neurologen, Radiologen und Fachkräfte der Intensivmedizin und Stroke-Unit. Sobald der RTW eintrifft, wird der Patient umgehend durch die Sanitäter und in Begleitung des diensthabenden Neurologen ins CT gefahren. Dort wird ein Bild vom Hirngewebe und eine Kontrastmittelaufnahme der Gefäße gemacht, um den möglichen Verschluss zu lokalisieren. Abhängig davon, ob das Hirngewebe noch durchblutet ist oder sich bereits blutleer darstellt, startet dann die medizinische Intervention.
Gibt es unterschiedliche Formen des Schlaganfalls?
Abhängig davon wie schnell der Schlaganfall erkannt und behandelt wurde und wo er im Gehirn stattgefunden hat, sind auch die Spätfolgen. Und hier können wir natürlich zwischen leichten und schweren Hirninfarkten unterscheiden. Es gilt immer: Time is brain! Je schneller die Durchblutungsstörung im Hirn aufgehoben wird, desto weniger Schaden nimmt das Gehirn.
Kann man einen Schlaganfall präventiv verhindern?
Tatsächlich nein, aber man kann und sollte seine Gesundheit aktiv fördern. Rauchen, Bewegungsmangel, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen, aber auch Bluthochdruck erhöhen das Risiko eines Hirninfarktes. Nichtraucher und sportlich aktive Menschen haben ein kleineres Risiko.
Wir haben zu Beginn des Interviews bereits angerissen, dass die Neurologie natürlich nicht nur die Schlaganfallversorgung abdeckt, sondern auch Krankheiten wie Parkinson, Multiple Sklerose und demenzielle Veränderungen.
Genau, das Leistungsspektrum der Neurologie ist sehr umfangreich und wir freuen uns, die Patienten im Kreis Mettmann nun wohnortnah versorgen zu können. Wir werden sicherlich auch zeitnah andere Krankheitsbilder und unsere Behandlungsmöglichkeiten vorstellen.
Vielen Dank für das Gespräch!
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